Die Vereinbarkeitsfrage – mit Alexandra Palla

Wednesday, July 16, 2014 0 2

Alexandra Palla mit 2 Töchtern, Schwester Steffi mit 2 Söhnen und Baby-Anna und Urli-Omi Karla, die selbst als Medizinerin berufstätig war.

Alexandra Palla, 45, ist Inhaberin der Werbeagentur RoughCutMedia lebt und arbeitet in Wien.Nach 9 Jahren Radio CD und Verlagsgruppe NEWS hat sie sich 1999 mit Kunden wie Kurier, Gault Millau und ORF selbstständig gemacht. Von Print schliesslich ganz auf Kommunikation umgesattelt, den AMA Food Blog AWARD ins Leben gerufen, den sie im Team schon das 3. Jahr organisiert und Kunden wie VERIVAL, die Schinkenmanufaktur THUM und Blogger-Relation in besonderen Kooperationen.

Mit ihrem Mann Max Palla hat sie 2 Töchter im Alter von 10 und 17 Jahren.
Ihre Töchter liefern den Stoff für den eigenen Food Food Blog. Seit 2011 hat sie schon über 450 Beiträge auf ihrem RoughCutBlog veröffentlich und vertreibt ihre eigene Küchendesignline, allen voran das RoughCutBoard, designed by Dottings.

Denkst Du, dass es heutzutage in Österreich einer jungen Mutter einfacher gemacht wird, Beruf und Kinder unter einen Hut zu bringen, als noch vor 20 Jahren?

Auf jeden Fall! Gesellschaft, Arbeitgeber und Kunden sind gegenüber Müttern und Jungmüttern aufgeschlossener, verständnisvoller und vertrauen Frauen in dieser Lebensphase und sind zunehmend rücksichtsvoller. Wir sind fast alle Kinder einer Generation, deren Mütter bereits berufstätig waren. Mit diesem Rollenbild der arbeitenden Mutter sind wir aufgewachsen und sie hat uns Frauen und Männer geprägt und beeinflusst uns positiv als Arbeitgeber und Mitarbeiter. Das Bild, dass die berufstätige Frau – wie noch vor 20 Jahren – ihre Mutterschaft hinter dem Businesskostüm verstecken musste, ist passé. In meinem großen Freundes und Bekanntenkreis kennen ich viele Frauen, darunter fast alle Mütter, die den Weg einer Selbstständigkeit für sich gewählt haben. Das Risiko, dadurch kein geregeltes Einkommen zu haben wird durch die flexiblen Arbeitsphasen kompensiert, die für Mütter so wichtig sind. Ich habe mich 1999 selbstständig gemacht, da war meine große Tochter 2,5 Jahre alt, das war die beste Entscheidung! Meine Schwester z.B. Leitet das Controlling der MedUni Wien und arbeitet mit 3 Kindern (9 Monate, 6,10) 30 Stunden, davon 15 von zu Hause, das wäre vor 10 Jahren noch undenkbar gewesen.

Ist es wichtiger, einen Partner zu haben, der mit anpackt – und womöglich selbst zurücksteckt – oder ordentliche externe Kinderbetreuung?

Schön ist es, wenn eine ganzer Familien- oder Freundeskreis, besonders in den Windeljahren, mit anpacken kann. Ob Partner, Großeltern oder Freunde, denn Kinder zu bekommen geht uns alle an. Eine externe Kinderbetreuung ist dabei nicht nur für die berufstätige Mutter wichtig und notwendig, auch für das Kind. Meine große Tochter war 7 Jahre ein Einzelkind, die vielen Freundinnen und Freunde im Kindergarten waren wie ihre Geschwister.

Was würdest Du Dir – oder auch anderen Müttern – wünschen, damit Kind und Karriere nicht nur wenigen vorbehalten bleibt?

Eine Kinderbetreuung, die familiär und verständnisvoll agiert und möglichst nahe am Wohnort ist. Als ich bei meiner kleinen Tochter keinen passenden Platz gefunden hab, hab ich selbst mit einer Elterninitative einen neuen Kindergarten gegründet. Noch heute werden im Cottagekindergarten in 3 Gruppen 45 Kinder betreut und selbstgekocht, was mir sehr wichtig war! Solche Privatinitiativen sollte es mehr geben, das ist auch wie Großfamilie.

Wie schaltest Du neben einem Fulltime-Job und Kindern ab?

Ich schreibe an meinen Blog und verarbeite dabei, dass nicht immer alles so läuft wie ich mir das als Mutter vorstelle. Die Phase, in der sich meine kleine Tochter nur von sterilen Cornflakes mit Milch ernährt hat, hätte ich sonst nicht so gut weggesteckt .-)). Am Wochenende lauf ich in die Weinberge, das beruhigt!

Was wären die perfekten Voraussetzungen, um Frauen mit Kindern für bestimmte Positionen oder Fulltime-Jobs zu motivieren?

Flexible Arbeitszeiten, das Angebot auch von zu Hause arbeiten zu können, einen sicheren Kinderbetreuungsplatz, das Verständnis der Kollegen und Mitarbeiter und viel Mut zu delegieren.

Denkst Du, dass Mütter anders arbeiten als Frauen ohne Kinder? Welche Vorzüge bringen Sie eventuell mit?

Mütter arbeiten sicher nicht anders als Väter oder Frauen und Männer ohne Kinder. Mütter entwickeln nur ein enorme Belastbarkeit und einen Focus auf “first things first”.

Musst Du in Deinem Job oder Leben aufgrund der Kinder manchmal auf etwas verzichten?

Als meine 2 Töchter noch klein waren, musste ich auf viel Schlaf verzichten. Heute sind wir quasi “fein raus”.

Letzte Frage: Gibt es berufsmäßig den perfekten Zeitpunkt, um Kinder zu kriegen?

Solange man es zulässt Kinder zu bekommen, gibt es diesen Sager “…die Kinder suchen sich den richtigen Zeitpunkt schon selber aus”, so war das bei mir und es war gut so.


 

“Die Vereinbarkeitsfrage” ist eine Serie, in der arbeitende Mütter protraitiert werden. Sie beschreiben, wie sie Karriere und Familie unter einen Hut bringen und zeigen auf, welche Veränderungen notwendig wären, um Frauen beides problemlos zu ermöglichen.